Wie tief ein Bücherregal sein sollte
Ein Bücherregal ist so tief wie sein tiefstes Buch, plus 2 cm Luft. Mehr Tiefe ist nicht erforderlich. Taschenbücher und Romane sind 12 bis 14 cm tief, für sie genügt ein schmales Bücherregal mit 16 cm. Sachbücher brauchen rund 20 cm, Bildbände bis 30 cm. Alles darüber trägt keine Bücher mehr, sondern Luft.
Bei 40 cm Tiefe entsteht hinter den Büchern ein Streifen, den niemand sieht und in dem sich sammelt, was niemand dort haben möchte: Staub, verlorene Lesezeichen, ein zweiter Rang aus Büchern, die vorn keinen Platz gefunden haben. Die Tiefe, die über das Buchmaß hinausgeht, ist deshalb kein Stauraum. Sie ist verschenkter Raum, der das Möbel obendrein massiger erscheinen lässt, als es sein müsste.
Für schmale Wände und Flure folgt daraus mehr, als es zunächst scheint. Ein Regal braucht dort selten mehr als 20 cm und beansprucht damit kaum Durchgangbreite, während es eine ganze Wand ordnet. Der Eindruck von Fülle entsteht durch die Buchrücken, nicht durch die Tiefe des Möbels dahinter.
Wer Bildbände liegend stapeln möchte, richtet die Tiefe an der größten Ausgabe im Bestand aus und nicht am Durchschnitt. Ein einziger überstehender Band verdirbt die Linie der ganzen Wand. Für die Planung zählen deshalb nicht der Durchschnitt des Bestands, sondern seine zehn größten Bücher. Der gefühlte Durchschnitt ist fast immer kleiner als das größte Buch, das man tatsächlich besitzt.
Was bei uns Bücher trägt
INFINITY BOOKSHELF ist das Bücherregal im engeren Sinn: ein modulares System aus Edelstahl in der RAW-Ausführung, als Set aus drei, vier, fünf oder zehn Modulen. Die Module lassen sich stapeln und nebeneinander setzen; das Regal endet nicht an einem Maß, sondern dort, wo der Bestand gerade endet. Ohne geschlossene Rückwand bleibt es von beiden Seiten benutzbar und kann frei im Raum stehen: Bücher auf beiden Seiten, kein Rücken, der einen Raum abschließt.
TAISHO ist die kompakte Alternative als Standregal: 140 × 32 × 100 cm bei 45 kg Eigengewicht, mit offenen Ebenen. Mit 32 cm ist er tief genug für Sachbücher und die meisten Bildbände, ohne Luft dahinter zu lassen. Er steht für einen Bestand, der überschaubar bleiben soll, und für Räume, in denen ein Regal nicht bis zur Decke reichen darf.
CHOWA geht in eine andere Richtung. Es versammelt wenige Bücher und Objekte zu einer Gruppe, statt eine Reihe aufzunehmen; ein Möbel für eine Auswahl, nicht für einen Bestand. Zwanzig Titel, die etwas bedeuten, finden hier Platz. Vierhundert gehören ins System.
Drei Stücke, drei Bestandsgrößen. Was sie verbindet, ist die Weigerung, Bücher als Dekoration zu behandeln. Bücher sind Gewicht, sie sind Format, sie sind Reihenfolge, und ein Regal, das dies ernst nimmt, sieht anders aus als eines, das nur eine Fläche anbietet. Es sieht nach weniger aus. Das ist kein Zufall.
Ausgefallenes Bücherregal oder ruhige Bücherwand
Beides ist möglich, nur nicht gleichzeitig. Eine Bücherwand lebt von Wiederholung: gleiche Module, gleiche Abstände, und die Farbe übernehmen die Bücher. Ein ausgefallenes Bücherregal tut das Gegenteil. Es ist selbst das Objekt, und die Bücher darin sind Gäste, die es nicht überfüllen dürfen. Dann stehen dort dreißig Bände, nicht dreihundert, und jeder von ihnen ist gewählt.
Wer beides mischt, bekommt weder eine ruhige Wand noch ein Objekt, sondern ein Möbel, das sich nicht entschieden hat. Die Frage, die vor jeder anderen zu klären ist, lautet deshalb nicht, welches Regal besser aussieht. Sie lautet, wer die Hauptrolle spielt: die Bücher oder das Möbel. Alles Weitere, vom Material bis zum Maß, folgt aus dieser einen Antwort.
Die Regalsysteme, die bis heute als Design-Bücherregale gelten, wurden für Wachstum entworfen, nicht für Dekoration. Ein Regal sollte sich mit dem Besitz verändern lassen, ohne ersetzt zu werden; es stand auf der Seite der Bücher. Diese Haltung steckt auch hinter dem modularen Ansatz dieser Manufaktur : ein System aus Edelstahl, das seine Funktion beibehält, auch wenn sich der Bestand verändert.
Wer die Bücherwand nicht als eigenes Thema, sondern als Teil eines Raums denkt, findet in der übergeordneten Kategorie Regale weitere Formate, darunter die reinen Wandlösungen. Die Entscheidung zwischen Wand und Objekt kehrt dort in anderer Gestalt wieder. Endgültig ist sie selten. Bestände verändern sich, und mit ihnen verändert sich, wer die Hauptrolle spielt.
Aufstellen, sichern und bestellen
Ein hohes, voll beladenes Regal wird an der Wand gesichert, unabhängig von Material und Eigengewicht. Im Ruhezustand steht ein beladenes Standregal von selbst. Entscheidend ist der Moment, in dem jemand eine Ebene einseitig leerräumt oder sich beim Aufstehen am obersten Boden abstützt. Was ein Regal im Ruhezustand hält, gilt in diesem Moment nicht mehr.
Das Regal muss nach den Montagehinweisen des jeweiligen Modells gegen Kippen gesichert werden. Der Boden trägt die Last; die geeignete Wandbefestigung verhindert das Kippen. Welche Befestigung passt, hängt von Modell und Untergrund ab. Hinweise zur Wandmontage findest du bei den Wandregalen.
Vor der Sicherung steht die Bestellung, und die beginnt bei den Büchern. Ein Bücherregal wird auf Bestellung gebaut und braucht bis zur Auslieferung fünf bis sechs Wochen. Verlangt ein Bestand ein bestimmtes Maß, richtet sich das Regal danach: Breite, Tiefe und Ebenenabstände lassen sich anpassen, und zwar an die Bücher, nicht an die Wand. Die Wand gibt nur den Rahmen vor. Das Raster geben die Bücher.
Sinnvoll ist deshalb, nicht nur die Wandmaße zu nennen, sondern auch die höchsten und die tiefsten Bücher, die ihren Platz finden sollen. Gezeichnet und bepreist wird die Aufteilung, nicht die Wand; gebaut wird erst danach. Ein Bücherregal, das so entsteht, passt am Ende nicht zu einem Raum. Es passt zu einer Bibliothek, und sei sie noch so klein.