Esszimmerstühle modern: was wir haben und was nicht
An dieser Stelle gehört eine offene Auskunft hin. Es gibt keine Stuhlserie. Das Programm kennt genau einen Stuhl, dazu eine Bank und einen Hocker. Wer vier oder sechs gleiche moderne Esszimmerstühle sucht, findet sie hier nicht, und niemandem wäre zu raten, sechs Einzelstücke in Handarbeit fertigen zu lassen, nur damit die Zahl aufgeht. Das wäre ein teurer Weg zu einem Ergebnis, das andere besser lösen.
Was stattdessen naheliegt, ist die gemischte Bestuhlung: eine Bank an der Wandseite, Stühle an der offenen Seite, ein einzelnes Stück am Kopfende. Die Bank verschwindet vollständig unter der Platte, wenn niemand auf ihr sitzt, und löst damit das Platzproblem in schmalen Räumen gleich mit. Ein Stuhl kann das nicht; er bleibt, wo er steht, auch wenn er leer ist.
Bank gegen Stuhl ist daher weniger eine Stilfrage als eine des Abstands zur Wand. Eine Bank braucht hinter sich kaum Platz, weil sie seitlich betreten und verlassen wird. Ein Stuhl braucht die 80 cm, die er beim Zurückschieben einnimmt. In einem Raum, der an einer Seite eng ist, entscheidet diese Differenz darüber, ob dort überhaupt jemand sitzen kann.
Ein einzelner Designer-Stuhl am Kopfende gibt dem Tisch eine Richtung, ohne dass der Raum überladen wirkt. Sechs identische Stühle erzählen von einem einzigen Einkauf. Eine Bank, zwei Stühle und ein Lounge Chair am Ende erzählen von einem Tisch, an dem verschieden gesessen wird, und das ist näher an dem, was an einem Abend tatsächlich geschieht.
Vier Gattungen rund um den Tisch
Den Mittelpunkt bilden die Esstische: vier Modelle, rechteckig oder rund, in Längen von 200 bis 300 cm und in Sonderlängen dazwischen, alle 75 cm hoch, aus Edelstahl, die schweren mit 122 kg Eigengewicht. Im Esszimmer interessiert an ihnen weniger die Platte als der Platz, den sie freilassen: an den Enden, wenn das Gestell innen steht, an den Längsseiten, wenn eine Bank darunter soll.
Wer eine bestimmte Nische füllen muss oder eine ungewöhnliche Personenzahl unterbringen will, bekommt das Maß gefertigt statt aufgerundet. Bei einem Möbel, das zwanzig Jahre an derselben Stelle steht, ist der Unterschied zwischen dem passenden und dem nächstgrößeren Maß am Kauftag kaum zu sehen und danach an jedem Abend.
Dazu kommen die Sitzmöbel mit Bank und Lounge Chair, alle in derselben Materialsprache wie die Tische. Für die Wandseite stehen die Konsolen bereit, und für die Fläche darüber die Objekte und Spiegel. Vier Gattungen, die sich nicht gegenseitig erklären müssen, weil sie aus derselben Manufaktur kommen.
Ein Materialkanon ohne Kollektionswechsel hat im Esszimmer einen praktischen Vorteil: Der Raum lässt sich über Jahre vervollständigen. Erst der Tisch, im Jahr darauf die Bank, irgendwann die Konsole. In welcher Reihenfolge, spielt keine Rolle, solange der Tisch am Anfang steht. Er ist der Bezugspunkt, zu dem alles Spätere seinen Abstand findet.
Sideboard oder Konsole: die Wand hinter dem Tisch
Ein klassisches Sideboard mit Türen und Fächern gibt es nicht. Was es gibt, ist die schlanke Verwandte: eine Konsole, die an der Wand steht, kaum Tiefe braucht und genau die Fläche bietet, die im Esszimmer tatsächlich benutzt wird. Darauf stehen Karaffe, Schale und die Dinge, die beim Decken schnell gegriffen werden, ohne dass jemand aufstehen und suchen muss.
Für Geschirr, das verschwinden soll, ist eine Konsole der falsche Ort; dafür braucht es geschlossenen Stauraum, und den bietet sie nicht. Besser, das steht hier, als dass eine Ablagefläche später erklärt werden muss, die nicht leistet, was erwartet wurde. Im Gegenzug nimmt eine Konsole dem Raum fast nichts weg. Der Stuhl vor ihr lässt sich noch zurückschieben, wo ein tiefes Sideboard den Weg bereits geschlossen hätte.
Die Wand darüber ist der zweite Punkt. Ein einzelner Spiegel oder ein großes Objekt reicht, und die Höhe orientiert sich am Möbel darunter, nicht an der Raumhöhe. Was im Esszimmer selten funktioniert, sind Bildergruppen. Hier wird länger gesessen und häufiger an dieselbe Stelle geschaut als in jedem anderen Raum; eine unruhige Wand ermüdet deshalb schneller. Eine ruhige Fläche mit einem einzigen Gegenüber hält länger.
Ein Spiegel hat dabei einen Vorteil, der erst am Abend sichtbar wird: Er verdoppelt das Licht der Leuchte über dem Tisch und holt den Raum ein zweites Mal an den Tisch heran. Wer am Kopfende sitzt, sieht darin die Gesichter, die ihm gegenüber fehlen. Die Wand hinter dem Tisch wird so zu einer Seite des Tisches, an der niemand sitzt und doch alle beteiligt sind.
Woran man gute Esszimmermöbel erkennt
Statt einer Markenempfehlung drei Prüfpunkte, die bei einem Esstisch etwas aussagen. Der erste ist die Materialstärke der Platte im Verhältnis zur Länge, denn davon hängt ab, ob die Fläche nach zehn Jahren noch eben ist. Der zweite ist das Eigengewicht: Ein leichter Tisch verschiebt sich bei jedem Anlehnen ein Stück, ein schwerer nicht, und in einem Raum mit einem einzigen Bezugspunkt ist das kein Detail, sondern die Voraussetzung.
Der dritte ist die Nachkaufbarkeit der Sitzmöbel. Eine Bestuhlung entsteht fast nie in einem einzigen Zug; sie wächst mit den Jahren, mit den Gästen, mit dem Platz. Ein Nachkauf nach drei Jahren, der beim falschen Hersteller nicht mehr möglich ist, hinterlässt einen Tisch mit Stühlen aus zwei Welten. Diese drei Punkte lassen sich prüfen, ohne dass ein Name fallen muss.
Hier entsteht jedes Stück nach Bestellung, in Deutschland, aus zwei Materialien, die sich seit Jahren nicht ändern. Bis zur Auslieferung vergehen dann fünf bis sechs Wochen, in denen der Tisch erst entsteht. Wer nicht sicher ist, welche Tischlänge in den Raum passt, schickt Raummaße und die Position von Türen und Fenstern. Die Verkehrsflächen werden durchgerechnet, und zurück kommt das größte Maß, das noch bequem funktioniert.
Häufig ist das ein kleineres als das gewünschte. Es wird trotzdem genannt, weil ein Esszimmer nicht an der Länge der Platte gemessen wird, sondern daran, ob am Ende eines Abends noch jemand aufstehen kann, ohne dass alle anderen rücken müssen. Der Tisch ist der Anlass. Der Abstand ist das Möbel.